Unterschriftensammlung - Massenpetition gegen Brückenneubau im agra-Park an die Landesregierung
Gegen den geplanten Brückenneubau im agra-Park gibt es eine erneute Unterschriftensammlung. Nachdem bereits im Mai 2010 fast 1.000 Unterschriften gesammelt wurden, soll nun für eine Petition an die Landesregierung gesammelt werden. Startpunkt der Sammlung war ein agra-Parkspaziergang am vergangenen Sonnabend, wo zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ihren Unmut über den geplanten Neubau Luft machten.
Die Baupläne des Straßenbauamtes Leipzig für die Brücke der B 2/95 im agra-Park sehen einen Ersatzneubau, der acht Meter breiter sein wird und die doppelte Anzahl an Betonstützen haben wird, vor. Ein Lärmschutz ist nicht vorgesehen. Seit gut einem Jahr liegt aber auch eine Alternativplanung der Stadt Markkleeberg mit einer tiefergelegten Straße vor. Für diese Variante hat sich auch der Leipziger Stadtrat ausgesprochen. Die Entscheidung über das Bauvorhaben liegt nun beim Straßenbauamt Leipzig, einer Landesbehörde.
„Wir lassen uns nicht eine neue, größere Brücke vor die Nase setzen. Die jetzige Brücke ist eine Braunkohleersatzmaßnahme aus den 70er Jahren. Heute würde niemand auf die Idee kommen, eine Brücke durch einen Landschaftspark zu bauen. Diese Zeiten sind vorbei. Insofern kämpfen wir für die Tunnelvariante und hoffen auf die Unterstützung der Markkleeberger", so Karsten Schütze.
Die Alternativplanung der Stadt Markkleeberg sieht übrigens keinen echten Tunnel, sondern eine tiefergelegte Straße mit Abdeckelung vor. Die Kosten für Brücke und tiefergelegte Straße sind somit vergleichbar hoch, wenn die Kosten für die Instandhaltung und für Lärmschutz gegengerechnet werden.
Unterschriftenliste zum Download
Die Unterschriftenlisten können ausgedruckt werden. Sammeln Sie bitte in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis. Die ausgefüllten Listen bitte bis zum 23.09.2011 zurücksenden.
Am 9. September 2011 können Sie sich ab 14 Uhr vor der Rathausgalerie auch direkt in die Listen eintragen.
Der Wortlaut der Petition:
Petition
gegen den geplanten Brückenneubau der Bundesstraße B2/95 durch den geschützten agra-Park in Markkleeberg
An den
Sächsischen Landtag
Petitionsausschuss
Bernhard-von-Lindenau-Platz 1
01067 Dresden
Gegenstand der Petition:
Der agra-Park in Markkleeberg ist in seiner Gesamtheit nach Sächsischem Denkmalschutzgesetz als Denkmal der Gartenkunst geschützt. Teile des Parks sind als Landschaftsschutzgebiet „Leipziger Auwald" sowie Europäisches Vogelschutzgebiet (SPA-Gebiet) unter Schutz gestellt.
Durch den Braunkohlenbergbau wurden in den 70er Jahren die Bundesstraßen 2 und 95 umverlegt und als Hochstraße mitten durch den Landschaftspark geführt. Das Brückenbauwerk (360 m lang und 24 m breit) wurde zwischen 1973 und 1975 errichtet und hat noch heute Bestand. Seit dem Jahr 2000 wird die Brücke auf Grund der Schäden am Bauwerk in die Gefährdungsklasse 1 (höchste Gefahrenklasse) eingestuft.
Das Straßenbauamt Leipzig beabsichtigt nun einen Ersatzneubau der Brücke durch den Landschaftspark mit einhergehender Verbreiterung des Bauwerkes um 8 Meter. Gleichzeitig soll die Zahl der Betonstützen verdoppelt werden. Da das Bauwerk als Bestandssanierung aufgefasst wird, ist kein Lärmschutz für diese Bundesstraße vorgesehen. Die geplanten Kosten liegen nach Auskunft des Straßenbauamtes bei 16,5 Millionen Euro.
In der Verkehrsprognose wird für den Bereich der B2/95 eine Zunahme des Verkehrs von jetzt 41.000 Fahrzeugen pro Tag auf 60.000 Fahrzeuge pro Tag in den nächsten 10 Jahren prognostiziert.
Folgen des Brückenneubaus:
Das zu DDR-Zeiten willkürlich als Braunkohlenersatzmaßnahme errichtete Bauwerk würde durch einen Ersatzneubau in seinem Bestand für die nächsten 100 Jahre festgeschrieben. Mensch und Natur müssten die gravierenden Beeinträchtigungen durch die Bundesstraße weiterhin ertragen:
• Zerschneidung des historischen, denkmalgeschützten Parks,
• Lärmbelästigung der Parkbesucher und anliegender Bewohner durch sich weiter erhöhendes Verkehrsaufkommen,
• festgeschriebene Zerschneidung des Landschaftsschutzgebietes „Leipziger Auwald",
• erhebliche Beeinträchtigung des unmittelbar angrenzenden europäischen Vogelschutzgebietes,
• dauerhafter Verlust der denkmalpflegerischen Wiederherstellung des historischen Parkgeländes,
• erhebliche Beeinträchtigung der Aufenthaltsqualität für Erholungssuchende.
Die Alternative:
Die Stadt Markkleeberg hat 2010 eine Alternativplanung für den Ersatz der Brücke im agra-Park vorgelegt. Diese Planung sieht eine im Gelände tiefergelegte Straße mit Abdeckelung vor. Die detaillierten Planungen sehen eine auf 380 Meter abgesenkte Straßenführung vor. Die Kosten dieses Bauwerkes betragen 24 Millionen Euro. In diesen Kosten ist allerdings der gleichzeitige Lärmschutz mit inbegriffen, der beim Brückenbauwerk fehlen würde. Zudem bietet diese Variante folgende Vorteile:
• Wiederherstellung des historischen Parkgeländes,
• Schutz von Flora und Fauna in den angrenzenden Schutzgebieten,
• Reduzierung der Instandhaltungskosten des Bauwerkes im Vergleich zur Brücke,
• Wiedergutmachung der Bergbaufolgeschäden aus DDR-Zeiten.
Der Stadtrat der Stadt Leipzig hat sich per Beschluss der Forderung nach einer tiefergelegten Straße angeschlossen.
Unsere Forderung an die Sächsische Landesregierung:
Mit unserer Unterschrift fordern wir eine Revidierung des Schadens, den der Landschaftspark zu DDR-Zeiten in Folge des Braunkohlenbergbaues genommen hat. Wir betrachten den dringend notwendigen Ersatzbau der Brücke als einmalige Chance, den in den 70er Jahren begangenen Frevel an Mensch und Natur, wieder rückgängig zu machen. Wir bitten die Sächsische Landesregierung das Straßenbauamt zu veranlassen, als Ersatzbau für die Brücke eine tiefergelegte Straße zu realisieren.
Markkleeberg, im September 2011



